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Zentrum für
schulpraktische Lehrerausbildung
Recklinghausen

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Lehrerausbildung Recklinghausen
 

Beratung

Laut Seminarrahmenkonzept für die Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung für das Lehramt für das Lehramt GHRe sind Beratung und Beurteilung die wichtigsten Handlungsfelder der Ausbildung. Hiernach dient die Beratung vorwiegend der Entwicklung und der Sicherung berufsbezogener Kompetenzen. Die Beurteilung hat für die Lehramtsanwärter den Zweck der Rückmeldung über den jeweiligen Entwicklungsstand sowie der Grundlage für die Weiterentwicklung.

Im Verlauf des Vorbereitungsdienstes bieten sich für die Lehramtsanwärter folgende Beratungsanlässe an:

- nach jedem Unterrichtsbesuch mit den Teilnehmern: Lehramtanwärter/-in, Ausbildungskoordinator/-in, Fachlehrer/-in, und ggf. Schulleiter/-in und/oder Hauptseminarleiter/-in

- zur Vorbereitung des Planungs- und Entwicklungsgespräches zwischen Lehramtsanwärter/-in und den drei Seminarausbilder/-innen

- im Planungs- und Entwicklungsgespräch mit den Teilnehmern: Lehramtanwärter/-in, Ausbildungskoordinator/-in und einem/einer der Seminarausbilder/-innen

- nach den unterrichtspraktischen Prüfungen mit den Teilnehmern: Lehramtanwärter/-in, Ausbildungskoordinator/-in, Hauptseminarleiter/-in und Fachleiter/-in

- im Rahmen der Anfertigung der Hausarbeit bei der Themenfindung und der Themenfestlegung zwischen Lehramtsanwärter/-in und einem/einer der Seminarausbilder/innen.

Ein Beratungsanlass ist immer dann gegeben, wenn ein konkreter Bedarf dazu besteht, sei es auf fachlicher oder personaler Ebene.

Unsere Seminarausbilder/-innen übernehmen die Beratungsaufgabe in doppelter Verantwortung:

- Einerseits, um den Lehramtsanwärter/-innen nach wissenschaftlicher Ausbildung und erfolgreich abgeschlossener 1. Staatsprüfung einen möglichst reibungslosen Übergang von der theoriegewichteten ersten Ausbildungsphase in die pädagogische Praxis zu ermöglichen. Es geht hierbei vor allem darum, den Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern zu helfen, sich die im Studium erworbenen Kompetenzen für den konkreten Unterricht nutzbar zu machen. Es gilt aber auch Frustrationen bei der praktischen Umsetzung der pädagogischen Ideale auf allen Ebenen und in allen Lehrerfunktionen vorzubeugen.

- Andererseits, um selbst in der Beratungstätigkeit eine nicht zu unterschätzende Vorbildfunktion zu übernehmen. Die Beratungskompetenz der Seminarausbilderinnen 11 und -ausbilder und die Beratungsstruktur haben Modellcharakter für die eigene Beratungstätigkeit der Lehramtsanwärter/-innen in ihren schulischen Tätigkeitsfeldern. Nur dann, wenn die Lehramtsanwärter/-innen die aktive und passive Beratung der eigenen Person durch die Ausbilder und Ausbilderinnen in positiver Form erfahren haben, werden sie diese Beratungskompetenz auch für ihre eigene pädagogische Praxis entwickeln.

Somit stehen unsere Beratungsstruktur und unsere Beratungskompetenz in einem mittelbaren Zusammenhang zur Beratung der Schüler und Schülerinnen, der Eltern und des Kollegiums in der pädagogischen Praxis der Ausbildungsschulen.

In Anlehnung an die wissenschaftlichen Forschungserkenntnisse in der Gesprächspsychologie (vgl. vor allem Watzlawick, Schulz v. Thun und Rogers) und in Anlehnung an das Seminarrahmenkonzept orientiert sich die Beratung in der Ausbildung am Studienseminar S I in Recklinghausen an folgenden Grundsätzen:

- Positive Wertschätzung
- Empathie
- Kongruenz
- Dialog
- Strukturierung der Gespräche.

Die Kommunikation sollte so weit wie möglich symmetrisch sein, d. h. die Seminarausbilderinnen und Seminarausbilder sollten ihre Beratungsfunktion und Beurteilungsfunktion immer wieder kritisch reflektieren, um in der Beratung die Gleichwertigkeit der Gesprächspartner gewährleisten zu können.

Link zu: SeitenanfangPositive Wertschätzung

Bedingungsfreie Akzeptanz, Achtung und Anerkennung sind Grundbedürfnisse jedes Menschen. Eine solche positive Wertschätzung durch den Berater oder die Beraterin im Lernprozess der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter:

- ermöglicht, Angst- und Verteidigungsverhalten abzubauen und sich offen mit seinen Gefühlen und seinem Selbstbild auseinander zu setzen (Selbstexploration)
- verhilft dem Gesprächspartner schrittweise zu mehr Selbstachtung und Selbstakzeptanz und so auch zu mehr Selbstwertgefühl
- ermutigt ihn, seine Probleme eigenständig zu lösen (selbständiger Lerner). Grundlage dazu ist ein situations- und adressatenbezogener Beratungswille.

Link zu: SeitenanfangEmpathie

Empathie oder einfühlendes Verstehen beinhaltet zwei wichtige Komponenten: Es bedeutet

- Probleme in besonderen Beratungssituationen zu erkennen und sich in das Erleben des anderen einzufühlen, d. h. sich als Berater zu bemühen, die Gefühle und Empfindungen des Gegenübers mit Blick auf seinen Bezugsrahmen zu verstehen,

- und mit der Beratungssituation angemessen umzugehen, indem dem Gesprächspartner das Verstandene möglichst präzise und konkret zurückgemeldet wird.

Dabei werden nicht nur die Emotionen aufgegriffen, die der Gesprächspartner explizit äußert, sondern auch Empfindungen, die er andeutet, aber noch nicht in Worte fassen kann oder nonverbal zum Ausdruck bringt.

Link zu: SeitenanfangKongruenz

Kongruenz oder Echtheit liegt vor, wenn inneres Erleben, bewusstes Wahrnehmen der eigenen Erlebnisinhalte und deren Vermittlung an den Gesprächspartner übereinstimmen, d. h. die Möglichkeiten der eigenen Beratungstätigkeit eingeschätzt werden können.

Bedeutung und Wirkung des Beratermerkmals Kongruenz/Echtheit:

- Sie schafft Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit des Beratenden, mindert Ungewissheit und Ängstlichkeit und stellt damit die Voraussetzung für die Wirksamkeit der anderen Beratermerkmale dar.
- Die Beraterin oder der Berater wird als Mensch erlebt, der sich selbst und anderen zugesteht, sich so zu zeigen, wie er ist (auch mit Schwächen). Damit gesteht er dem Gesprächspartner das gleiche Recht zu.
- Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Echtheit des Beraters und der Selbstexploration des zu Beratenden.

Link zu: SeitenanfangDialog

Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, jedes Verhalten in einer zwischenmenschlichen Situation hat Mitteilungscharakter.

Da man sich in der Beratungssituation der Lehrerausbildung von möglichen Zwängen nicht freisprechen kann (z. B. weil der Berater auch gleichzeitig Prüfer ist), darf sich die Kommunikation nicht auf den Inhaltsbereich der Informationen beschränken.

Die Seminarausbilder/-innen bemühen sich (nach dem Modell von Schulz von Thun) mit vier Ohren zu empfangen. Sie verstehen so die Informationen nicht nur mit dem

- Inhaltsohr
Wie ist der Sachverhalt zu verstehen?
sondern auch mit dem
 
- Selbstoffenbarungsohr
Was ist los mit meinem Gegenüber?
- Beziehungsohr
Wen glaubt er vor sich zu haben, wie sieht er mich?
- Appellohr:
Was soll ich tun, denken oder fühlen?

 

 

Wenn der Empfänger der Nachricht nicht mit allen vier Ohren hört, können Kommunikationsprobleme entstehen. Ziel der Gespräche ist eine Kommunikation, bei der beide Gesprächspartner offen für Informationen auf allen vier Ebenen sind.

Link zu: SeitenanfangStrukturierung der Gespräche

Der Komplexität der Beratung in der Unterrichtsnachbetrachtung sowie im Planungs- und Entwicklungsgespräch kann leicht zu einer Überforderung oder zu Irritationen der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter führen. Auch kann eine unnötige Fülle von Beratungsaspekten den Erfolg des Beratungsgespräches gefährden. Die Folge kann leicht sein, dass der Gesprächspartner sich in die Enge gedrängt fühlt und eine Verteidigungshaltung einnimmt.

Mit Strukturierungshilfen für die Beratungsgespräche beugen die Seminarausbilderinnen und Seminarausbilder einer solchen Gefahr wirksam vor. Sie geben einerseits die organisatorische Grundlage zur Selbstreflexion und Selbstkorrektur vor, andererseits strukturieren sie das gesamte Beratungsgespräch und sorgen so für eine Transparenz des Beratungsprozesses für alle an der Gesprächsrunde beteiligten Mitglieder der Ausbildung.

Allerdings darf diese strukturelle Hilfe nicht überbewertet werden und zum Selbstzweck zu Grunde gelegt werden. Auf einen Strukturplan für ein Beratungsgespräch kann/sollte unbedingt verzichtet werden wenn

- der zu Beratende einen anderen Gesprächsverlauf wünscht

- die sonstigen an der Gesprächsrunde Beteiligten ihn aus triftigen Gründen ablehnen

- sich das Gespräch spontan in optimaler Weise entwickelt und eine Formalisierung hinderlich wäre (vor allem, wenn die Gesprächsrunde bereits Beratungserfahrung hat).

Die Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter sollten zu jeder Zeit des Gespräches das Gefühl haben, dass zwar ihre gezeigten Leistungen Gegenstand der Beratung sind, die Akzeptanz ihrer Person als gleichberechtigtes Beratungsmitglied aber nie angezweifelt wird.

Beratungsgrundsatz: Nicht ich berate dich,
sondern
wir beraten uns!

 

Link zu: SeitenanfangLiteratur

1. Gordon, T.: Lehrer-Schüler-Konferenz, Hoffmann und Campe Verlag Hamburg 1977

2. Schulz von Thun, F.: Miteinander reden 1 / Miteinander reden 2 Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation, Verlag Reinbek bei Hamburg 1991 und 1994

3. Rogers, C.: Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie, Kindler-Verlag Müchen 1981

4. Watzlawik,  Menschliche Kommunikation, Bern 1982

5. Ministerium für Schule und Weiterbildung: Beratungstätigkeit von Lehrerinnen und Lehrern in der Schule Runderlass des Ministeriums vom 8. 12. 1997 (GABI. NW. 1 1998 S. 3)

 

Strukturplan: Verlauf des Beratungsgesprächs

Reflexion des Lehramtsanwärters

„Was ist mir gut gelungen?“
„Wann habe ich mich wohl, wann unwohl gefühlt?“
„Was würde ich verbessern?“

Beratungsgespräch (Positivrunde) unter Beteiligung aller anwesenden und an der Ausbildung beteiligten Personen (Institutionen)

„Worüber sollten wir sprechen?“
Beratungsbedarf aus der Sicht aller Beteiligten
Beratungsbedarf aus der Sicht des Lehramtsanwärters

Zielsetzung für die weitere Arbeit

„Daran möchte ich arbeiten!“

Einschätzung des Leistungsstandes

Selbsteinschätzung des LAA
Einschätzung durch Ausbilder unter Hinweis auf die Bewertungsmaßstäbe

Metakommunikation

„Ich fühle mich jetzt .....“
„Mich hat im Verlauf des Gesprächs gestört, dass.....“
„Gut gefallen hat mir.....

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